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Das Delphische Prinzip verkörpert die geistige Einheit. Dieses Prinzip wiederum stand als Achse für Antike Griechenlands, das, wenn es auch von den gesellschaftlich  privilegierten Klassen in Hinblick auf deren Interessen deformiert wurde, intakt blieb. Als Prometheischer Mythos – und damit als Prometheisches Prinzip der allerhöchsten Freiheit – verankerte es sich im Unterbewusstsein des griechischen Volkes. Dadurch bewahrte der Prometheische, erzieherische delphische Geist die dialektische Essenz der Welt.

Auch wenn dieser “ aus dem Tiefsten” delphische Impuls es nicht vermochte, den geschichtlichen Gehalt nicht im ganzen innerhalb der einheitlichen kreativen Mission zu bewahren, so setzte er während der Antike doch immerhin  all jene Gesetze durch, die den integralen Geist der Antike (Ethik, Logik, Ästhetik ) zum Ausdruck brachten. Dies insbesondere durch die „Feste von Delphi“, die die menschliche Kreativität auf ihre höchsten Gipfel führten.

Der erleuchtende Zustand dieses delphischen, sozio-geistigen Prinzips steht selbstständig über jeglichen dogmatischen Kriterien aller Zeiten und gleicht  diese Kriterien um die Idee des integrierten Menschen aus. Im Gegensatz zu diesem Prinzip des integrierten Menschen steht die Zerlegung des Denkens sowie Dualismus, die unsere Zeit kennzeichnen. Es handelt sich um eine Zerlegung und  eine Trennung  die nicht nur auf ästhetischer Ebene gilt, sondern auf alle Ebene des Lebens: 1) In der Trennung von Seele und Körper 2) In der Trennung von Wort und Tat  3)  In der Trennung von Zweck und Mittel 4) In der Trennung von Kunst und Tat.

Kunst und Tat sind dabei in der heutigen Zeit nicht nur getrennt, sondern auch verdreht: Wenn wir ‘Tat’ aussprechen, meinen wir damit einen gewaltigen Einfluss auf die Dinge, um einen materiellen Zweck zu bedienen. Und wenn wir über Kunst reden, meinen wir damit eine Flucht aus der Realität, eine Entlastung von den Problemen des Lebens durch eine Situation ästhetischen Schwebens. Kunst ist aber kein Rückzug von den Widersprüchen des Lebens, sondern gerade die Siege über diese. Die Ausgabe dieser Siege wird zu dem Ganzen  aufgehoben für eine Erfüllung eines Lebenssinnes. Kunst und Tat befinden sich in eine  dialektischen Einheit.

 

Der Künstler ist Vertreter dieser Einheit, wie er auch Vertreter aller Menschen ist: dem Delphischen Prinzip entsprechend  ist der Künstler “des Weltalls und des Menschlichen Lebens Erzieher”.
Die Zerlegung des Denkens, der fruchtlose Intellektualismus und der intellektuelle Narzissmus sollten abgeschafft werden, damit die geistige Einheit, das Zentrum, die organische Quelle aus der das Denken entspringt, erreicht werden kann.
Eine tiefe Versöhnung  und Übereinstimmung von Geist, Erde und Natur würden eine kreative, wahrhaftige Hierarchie bedeuten, bei der Jahrhunderte, Nationen und Generationen sich versöhnen könnten. Wie Novalis sagte: „Unser Geist soll sich verselbständigen, während unsere  Seele organischer wird (d.h. in der Natur eingebundener wird, M.E.). So dass wir verspüren, dass die Wege des universalen Bewusstseins desto zahlreicher werden, je einheitlicher der Körper mit dem Geist wird.“

Dies sind die Prinzipien, die aus Delphi herausgeschleudert wurden

Hier ist der Punkt  der Kunst  erreicht, dank dessen Geist, Geschichte, Natur und Körper im  gleichen mystischen Punkt der Menschheit vereinen zu lassen und die Einheit des Lebens zu offenbaren.
Der große griechische Dichter, Denker und einzigartige Forscher des delphischen geistigen Reichtums, Aggelos Sikelianos, sagte: “Wir sollten Tag und Nacht jeder auf seinem Gebiet arbeiten, um die Größe der delphischen Idee aufzuwecken und  sie im Zentrum unseres Lebens aufzustellen“

In der Geschichte ist diese Idee stets die Auftriebskraft für Freundschaft und Solidarität zwischen allen Nationen gewesen. Diese Idee allein schafft eine Hierarchie und eine Reihe  von Verantwortungen in der gesamten Weltgeschichte. Von dieser Idee träumt auch der große Goethe, als er durch Sybille Manto auf Tempi eine Achse errichtet, indem er sie, als Verkörperung des Geistes der Ruhe und der Ewigkeit, sagen lässt:

„ich harre, mich umkreist die Zeit”.  (Faust II).

Freiheit, wie auch Kunst, kann in ihrem Wesen und Ganzen nicht anders gedacht werden, als Prozess eines beständigen und aufrechten Aufstiegs zu Universalität. Freiheit und Kunst haben Ihren Ursprung im Zentrum des

Lebens, im Baum des Lebens, der ständig mit seinem eigenen Kampf den Reichtum seiner Wurzeln zu den Rhythmen einer starken Fruchtbarkeit nach oben zieht.

Die Verehrung der Musen bei den Griechen entspricht der Verehrung der griechischen geistigen Einheit, die wir in diesen dürftigen Zeiten vermissen, und die im Geist der Musik neugeboren werden könnte. Der Begriff „Musik“ leitet sich her aus dem Verb «Μαιείν»,  was heißt, „ich versuche mit allen Kräften den Geist der totalitären und wahrhaftigen Wahrnehmung des Lebens näher zu bringen“.
Dieser Geist der authentischen Einheit, die eine vollere Kommunion mit der Ganzen Natur, mit der ganzen Geschichte, mit ihrem universalen Wesen bedeutet,  ist das, was die Persönlichkeit eines Künstlers bestimmt, und auf diese Einheit zielt das Kunstwerk ab.
Große Künstler wie  Rodin oder Isadora Duncan, die zu den Künstlern zählen, die die griechische Tradition fortführten, realisierten diesen Anspruch der Einheit, die das Ganze ordnet und die Kategorisierung und Zerlegung des Denkens zunichte macht.
Beide Künstler befassten sich mit “Körper”: der eine  als Skulptur, die andere als Tänzerin. Beide verkörperten und gestalteten die Welt-Rhythmen als unteilbaren, kreativen, musikalischen Impuls. Die Natur offenbart sich durch ihre eigene Harmonie. Der Künstler offenbart sich über die Wahl dieser Harmonie. Wie Rodin sagte: “Große Künstler gehen so in ihr Werk hinein, wie Natur komponiert und nicht, wie Anatomie beschreibt. Sie richten sich nach der Ganzheit und nur das drücken sie aus“.
Diese Einheit für die Form, die die organische Einheit des Lebens und Denkens voraussetzt, entsteht in der westlichen  Kultur und Tradition  aus einer technischen und rationalisierenden Integration. (Hier handelt es sich um eine Einheit,  die künstlich ist und den Ursprüngen des griechischen Geistes fremd ist.
Die Einheit des griechischen Denkens setzt sich  trotzdem weiter fort: Als verwandelte Quelle in der Musik von einem Bach oder einem Beethoven oder im Werk von anderen großen Komponisten und Künstler. Hier ist die physikalische Geschichte der Welt zu Musik geworden, die keine  Zerteilung, keine Kategorisierung kennt oder erhalten kann, sondern  durchgehend von einem zum anderen fließt. Architektur und Musik sind vereinigt und geben mit nacktem Rhythmus die Formen der Wesen.

Ich versuche die Schritte des griechischen Denkens und dessen Vertretern zu folgen, indem ich die Rhythmen der Natur auf den Körper anwende. Daraus kann ein Tempel erschaffen werden, in den Architektur und Musik sich integrieren und äußerlich wie innerlich in der Verwirklichung einer einheitlichen Form verschmelzen.

Ich glaube dass verschiedene Künste zusammenhängen und wie die Musen miteinander tanzen. Die Künste entspringen der gleichen mystischen Quelle. Ihre Entfaltung als solche bedeutet dabei keinen Fortschritt der Denkweisen, sondern bildet eine endlose Geschichte, die sich widerspiegelt ohne den tanzenden, ursprünglichen Anfang zu verlieren.
Dies ist der Anspruch des Humanismus, der Anspruch der platonischen ästhetischen Erziehung und das Streben des delphischen Prinzips, das den Menschlichen Geist in die tanzenden Quellen der Musik und Freiheit tauchen lässt.

 

Maria Alexea

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